Sigrid Dobat

Sigrid Dobat, geb. 1943 in Kiel, aufgewachsen in Flintbek und Kiel, lebt heute in Harrislee bei Flensburg, verheiratet, drei erwachsene Kinder.  

Nach dem Germanistik- und Kunststudium arbeitete sie als Realschullehrerin, Studienleiterin und Supervisorin.  

Zusätzlich widmete sie sich der Malerei mit dem Schwerpunkt Aquarell und dem Schreiben. Sie ist bekannt durch verschiedene Ausstellungen, der Veröffentlichung von teilweise ausgezeichneten Kurzgeschichten und der Teilnahme an öffentlichen Lesungen zweier Autorenkreise (Flensburger Autorentreff und Tarper Autorenkreis).

 Jetzt liegt ihr erster Roman vor.

 

 

  

PRESSEMITTEILUNG

Das Leben einer anderen

Die Flensburger Autorin Sigrid Dobat debütiert mit der bewegenden Geschichte einer jungen Frau, die sich im Nachkriegsdeutschland mit einer gestohlenen Identität eine neue Existenz aufbaut

 

Husum, 21. Oktober 2014

Die Vorstellung ist verführerisch: ein neues Leben beginnen zu können, wenn das alte verpfuscht ist, man auf das „falsche Pferd“ gesetzt und Schuld auf sich geladen hat. Eine Situation, vor der viele Angehörige des NS-Regimes 1945 standen. Sigrid Dobat hat dies zum Ausgangspunkt eines beeindruckenden Romans gemacht, der nun im Husumer ihleo verlag erschienen ist.

In ihrem Buch Nennʼ mich Margot ist es eine junge Frau, die nicht nur privat die Vorzüge einer Liaison mit einem hohen Nazi-Arzt genossen hat, sondern selbst in der Verwaltung der „Euthanasie-Programme“ arbeitete. Sie half, die Transporte der Kranken zu organisieren, die Aufenthalte zu verschleiern, damit die Schicksale nicht nachvollziehbar wurden.

Margot, die Protagonistin des Romans, ist eine Schreibtischtäterin, die die realen Auswirkungen ihres Tuns verdrängt. Im Verlauf der erzählten Geschichte führt aber ein traumatisches Erlebnis zu einem gnadenlosen Erwachen“, erläutert Sigrid Dobat den Hintergrund der Romanhandlung.

Die Frau flieht aus Berlin nach Kiel, verschafft sich eine neue Identität. Tatsächlich ist dies in Wirklichkeit sehr viel häufiger vorgekommen, als gemeinhin bekannt. Weit über 2000 falsche Identitätskarten wurden allein in Flensburg gegen Kriegsende und kurz danach ausgestellt, dem letzten Sitz der Reichsregierung. Ungewöhnlich an Dobats Roman ist aber, dass er die individuelle Flucht einer Mitläuferin thematisiert, nicht die organisierten der Parteibonzen, denen zahlreiche Helfer zur Verfügung standen. Tatsächlich ist die Protagonistin des Romans auch wesentlich radikaler: Sie lässt ihr gesamtes früheres Leben hinter sich, wirklich niemand weiß, dass sie überlebt hat.

„Als Wahlflensburgerin interessiert mich diese Zeit in besonderem Maße, ist doch diese Stadt sehr mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbunden, sei es die Kapitulation, sei es das ‚Verstecken‘ der Nazigrößen. Für die ‚private Flucht‘ Margots schien mir der Kontrast von Großstadt (Berlin) und dörflichem Leben (Flintbek) als Handlungsort aber geeigneter. Ich selbst bin in einer Finnenhaussiedlung in Flintbek aufgewachsen, kenne also den Ort, das Dorf, die Siedlung und die Finnenhäuser aus eigenem Erleben“, führt die Autorin aus, betont aber, dass „die erzählte Geschichte fiktiv ist. Ich selbst war seinerzeit Kind und habe den Ort als Kind sehr wohltuend erlebt. Meine Protagonistin Margot erlebt das Dorf, die soziale Kontrolle in der Zeit hingegen als bedrückend.“

Wie diese Frau alleine in den Wirren der Nachkriegszeit zurechtkommt, liest sich wie ein spannender Kriminalroman, ist aber weitaus mehr: Sigrid Dobat schafft das Kunststück, dass diese Antiheldin glaubwürdig und ihr Agieren verständlich werden, sodass der Leser ihr am Ende sogar Glück wünscht – ohne die Brüche in ihrer Biografie und Person zu kaschieren.

„Als ‚Nachkriegskind‘ sind mir unzählig viele Menschen begegnet, die die Vergangenheit beharrlich verdrängten. Ich habe mit meiner Protagonistin eine Frau zu schaffen versucht, der in dieser Hinsicht keine Wahl gelassen wird. Ich glaube, dass ihr phasenweise verzweifeltes Bemühen berühren kann. Vielleicht kann man sie auch aus der Sicht der heute erwachsenen Nachkriegskinder als ‚Wunschbild‘ sehen, als das Bild einer Frau, die sich befreien möchte“, analysiert Sigrid Dobat.

Margot überlebt, indem sie mit dem Mut der Verzweifelten alle Gelegenheiten, die sich ihr bieten, nutzt. In Flintbek bei Kiel kommt sie in einer Siedlung unter, findet bei den britischen Besatzern eine Stelle als Übersetzerin, arrangiert sich mit den Wendehälsen und Denunzianten, mit Kriegsopfern und Siegern, mit den Dorfbewohnern. Sie erlernt die Regeln der aus den Fugen geratenen Welt schnell und weiß sich anzupassen. Doch auch ihre neue Identität hat bedrohliche Untiefen, wie ihr langsam klar wird …

 

 

 

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